In Lizenzverhandlungen über standardessenzielle Patente (SEPs) dreht sich der wichtigste Konflikt der Gegenwart um die Frage: „Was ist die angemessene Lizenzgebührenbasis (Royalty Base)?“

Hier stehen sich zwei grundlegende Ansätze gegenüber: „SSPPU“, die Berechnung auf Basis der kleinsten patentnutzenden Komponente, und „EMV“, die Bewertung des gesamten Endprodukts. Da die Wahl des Ansatzes die Gesamtlizenzgebühr um das Vielfache oder gar das Zehnfache verändern kann, wird dieser Streit von Unternehmen weltweit als existenzielle Frage geführt.
Die aktuelle Praxis und die Rechtsprechung zeigen jedoch weltweit einen klaren Trend: Der EMV-Ansatz (Endprodukt-Basis) etabliert sich zunehmend als globaler Standard. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe der Debatte und erklärt am Beispiel des Automobil-Patentpools Avanci, warum EMV die Oberhand gewinnt.
1. Zwei Perspektiven auf die Patentlizenzierung
| Konzept | Definition | Hauptbefürworter |
| SSPPU (Smallest Saleable Patent Practicing Unit) | Berechnet die Lizenzgebühren auf Basis des Preises der kleinsten Komponente, die die Technologie umsetzt (z. B. ein Mobilfunkchip oder -modul). | Hauptsächlich Endprothesenhersteller (OEMs), die ihre Lizenzkosten minimieren wollen, sowie Zulieferer, die Haftungsrisiken gegenüber ihren Kunden auf Basis günstiger Chippreise absichern möchten. |
| EMV (Entire Market Value) | Bestimmt die Lizenzgebühren auf Basis des Wertes des finalen Endprodukts (wie Smartphones oder komplette Fahrzeuge). | Patentinhaber (Lizenzgeber), die argumentieren, dass der Gesamtnutzen und die Wertschöpfung, die die Konnektivität dem Produkt verleiht, fair entgolten werden müssen. |
2. Warum der „EMV“-Ansatz die Praxis dominiert
Zwar gab es eine Phase, in der Urteile einzelner unterer Instanzen in den USA dem SSPPU-Ansatz Auftrieb gaben, heute ist EMV (bzw. die Bewertung auf Endproduktebene) jedoch international das Maß der Dinge. Dafür gibt es zwei entscheidende Gründe:
2-1. Judikative bestätigt die Wahlfreiheit des Patentinhabers
Der wichtigste Wendepunkt war die Bestätigung führender Gerichte weltweit, dass Patentinhaber frei entscheiden dürfen, an wen sie Lizenzen vergeben („Access for All“).
In wegweisenden Verfahren wie Nokia gegen Daimler in Deutschland stellte die Justiz klar: Der Patentinhaber hat das Recht, selbst zu wählen, auf welcher Stufe der Lieferkette (Zulieferer oder Fahrzeughersteller) er Verhandlungen führt. Auch in den USA (z. B. im Berufungsverfahren FTC v. Qualcomm) und in Indien (Ericsson v. Lava) folgten Urteile, die eine Lizenzberechnung rein nach SSPPU ablehnten.
Wenn Patentinhaber direkt den Endprodukthersteller als Verhandlungspartner wählen, verschiebt sich die Bemessungsgrundlage automatisch von der Komponente (SSPPU) zum Wert des Endprodukts (EMV).

2-2. Konnektivität als Herzstück des Gesamtwerts im IoT-Zeitalter
Der zweite Grund liegt in der veränderten Wahrnehmung des technologischen Beitrags im Zeitalter des Internets der Dinge (IoT).
In modernen, vernetzten Produkten ist die Mobilfunkfunktion weit mehr als nur ein „Bauteil“. Vernetzte Fahrzeuge ermöglichen autonomes Fahren, bieten erhebliche Sicherheitsvorteile und erlauben Wertschöpfung nach dem Kauf via Over-the-Air-Updates (OTA).
Die Mobilfunktechnologie treibt somit den Mehrwert des gesamten Produkts und die Kaufentscheidung der Kunden maßgeblich an. Es entspricht internationaler wirtschaftlicher Logik, dass die Bewertung dieser Innovation auf Basis eines 15-Dollar-Chips als Gegenleistung für bahnbrechende R&D-Investitionen unzureichend ist.
3. Der Marktbeweis für EMV: Der Erfolg des Automobilpools Avanci
Der Patentpool Avanci hat diese EMV-Philosophie erfolgreich in ein globales Geschäftsmodell übersetzt und der Industrie damit faktisch den EMV-Standard aufgeprägt. Das Lizenzmodell von Avanci schließt SSPPU konsequent aus und setzt voll auf EMV:
- Lizenzierung auf OEM-Ebene: Verträge werden direkt mit den Automobilherstellern geschlossen, die das Endprodukt und die Marke kontrollieren, nicht mit den Zulieferern.
- Pauschalgebühr pro Fahrzeug (EMV-Ansatz): Die Lizenzgebühr wird pauschal erhoben – z. B. 32 US-Dollar pro 5G-Fahrzeug. Ausschlaggebend ist der Wert, den das vernetzte Fahrzeug durch die Technologie erfährt, nicht der Preis der Komponenten.
- De-facto-Branchenstandard: Nahezu alle großen Automobilhersteller weltweit, einschließlich Toyota, Honda, Nissan sowie europäische und US-amerikanische OEMs, haben Verträge mit Avanci unterzeichnet. Der Endprodukt-basierte EMV-Ansatz hat sich im Markt durchgesetzt.
4. Fazit: „Fair Value“ im IoT-Zeitalter
Der langjährige Streit zwischen SSPPU und EMV ist durch internationale Präzedenzfälle und Marktrealitäten entschieden: Der Fokus liegt auf dem EMV-Ansatz, welcher den tatsächlichen Wert der Technologie für das Endprodukt abbildet.
Zudem wurde der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Entwurf für eine SEP-Verordnung, der auf mehr Transparenz zugunsten der Lizenznehmer abzielte, im Jahr 2025 offiziell fallengelassen, da keine Einigung zwischen den Mitgliedstaaten erzielt wurde. Damit sind Top-down-Regulierungsversuche zur Erzwingung von LTA oder SSPPU politisch gescheitert. Die Dominanz des EMV-Ansatzes im Markt ist damit unumstößlich.
Aktuelle staatliche Leitlinien betonen, dass es nicht um die regulatorische Erzwingung bestimmter Lizenzstufen geht, sondern um Verhandlungen in gutem Glauben über den „Fair Value“ der patentierten Technologie. Im Zeitalter von Beyond 5G und 6G müssen Endprodukthersteller robuste Strategien entwickeln, um ihre Patentrechtisiken auf EMV-Basis direkt zu steuern.
Dieser Text wurde von einem Large Language Model (LLM) übersetzt.
